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ünstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch. Durch die Digitalisierung menschlicher Fähigkeiten werden Jobs verloren gehen: 47 Prozent in der entwickelten Welt, so eine Studie, die Moderator Roman Pletter, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft der ZEIT, zitierte. Was bedeutet das für die Arbeit des Wirtschaftsprüfers?

Die Frage war der Auftakt der Podiumsdiskussion „Wirtschaftsprüfung 4.0: Wunsch oder Wirklichkeit?“, zu der ZEIT Campus in Kooperation mit e-fellows.net und in Partnerschaft mit KPMG 40 ausgewählte Studenten, Absolventen und Young Professionals eingeladen hatte.

Prof. Dr. Jens Wüstemann, Lehrstuhl für ABWL und Wirtschaftsprüfung, Universität Mannheim, und Präsident der Mannheim Business School © Andreas Henn

Prof. Dr. Jens Wüstemann, Lehrstuhl für ABWL und Wirtschaftsprüfung, Universität Mannheim, und Präsident der Mannheim Business School (c) Andreas Henn

Prof. Dr. Thomas Hess, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, LMU München © Andreas Henn

Prof. Dr. Thomas Hess, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, LMU München (c) Andreas Henn

    Die Referenten waren sich einig: Die Digitalisierung verändere die Arbeit des Wirtschaftsprüfers – mache ihn aber keinesfalls überflüssig, im Gegenteil. Jede einzelne Transaktion könne geprüft werden. Das verbessere die Wirtschaftsprüfung, so Prof. Dr. Jens Wüstemann von der Universität Mannheim.

    Aber: „Die Substanz einer Transaktion zu erfassen, das kann die künstliche Intelligenz nicht.“ Dass der Wirtschaftsprüfer nicht austauschbar sei, dieser Meinung war auch Prof. Dr. Thomas Hess von der LMU München: Es bedürfe immer auch jemanden, der technologische Entwicklungen einschätzen und deren Fähigkeiten nutzen könne.

    Gerade als Wirtschaftsprüfer hätte man den ganzheitlichen Blick auf ein Unternehmen, hob Angelika Huber-Straßer, Bereichsvorstand Corporates bei KPMG, hervor. KPMG sei zum Beispiel der größte Prüfer von Versicherungen.

    „Grundlegende Fragen wie die, ob es das klassische Versicherungsmodell in Zukunft noch geben wird, diskutieren Sie als Wirtschaftsprüfer mit.“ Sie betonte außerdem die öffentlich-rechtliche Funktion und die damit einhergehende große Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber.

    Im Angesicht einer dynamischen Wirtschaft entwickelt sich der Beruf des Wirtschaftsprüfers ständig weiter – in rasantem Tempo. Das mache den Job so abwechslungsreich, erklärte Dr. Markus Kreher, Partner bei KPMG: „Ich habe alle fünf Jahre etwas Neues gemacht, bei Ihnen wird das noch schneller gehen!“

    Dann war das Publikum dran: Die Referenten stellten sich den Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Inwiefern bedeutet zum Beispiel die allumfassende Technologisierung, dass der Wirtschaftsprüfer von morgen ein digital native sein muss, der u. a. auch Algorithmen versteht? Elisa Gerken aus dem Bereich Forensic von KPMG erzählte, dass sie als BWLerin in einem Team mit IT-Spezialisten aufgestellt sei. Ihre Fähigkeiten – in Kombination mit IT-Fachkenntnissen – seien essenziell. „Der strategische Blick ist wichtig“, ergänzte Angelika Huber-Straßer, auch in Anbetracht von Themenbereichen, die stark an Bedeutung gewinnen wie etwa Cyber Security. Zu Elisa Gerkens Job gehöre es, immer einen Schritt voraus zu sein, denn: Auch die Wirtschaftskriminellen rüsten auf.

    Am Nachmittag hieß es dann action: In zwei Workshops gab es ein hands-on Training für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Im Boot-Camp „Für 90 Minuten Wirtschaftsprüfer“ konnte in lockerer Atmosphäre anhand eines Fallbeispiels die eigene Expertise ausprobiert werden. Parallel dazu fand der Workshop „Mit Worten zum Ziel: Wie geht Netzwerken?“ statt, in dem Workshopleiter Thomas Dallüge, Physiker und Psychologe, gemeinsam mit den Teilnehmern die Kunst der Kommunikation auslotete.

    Eine Runde Speed-Dating mit KPMG rundete den Tag ab: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten in Einzelgesprächen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von KPMG ihre ganz persönlichen Fragen besprechen.

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